Definition

Akute oder chronische Unterbauchschmerzen sind Begleitsymptome vieler, sehr unterschiedlicher gynäkologischer Beschwerdebilder und stellen häufig eine Herausforderung für den behandelnden Arzt dar. Der üblicherweise sehr intensive akute Schmerz ist definiert durch seinen plötzlichen Beginn, einer raschen Zunahme an Intensität und üblicherweise kurze Dauer. Dieser akute Schmerz kann zyklischen Charakter haben, tritt dann per Definition im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation auf und wird Dysmenorrhoe oder Mittelschmerz genannt.
Chronischer Unterbauchschmerz
liegt vor, wenn der Schmerz mehr oder weniger kontinuierlich, zumindest aber nicht zyklisch verspürt wird. Chronischer Schmerz kann eine Art Schmerzspirale auslösen, die schließlich in den Teufelskreis des Syndroms des chronischen Unterbauchschmerzes (CPP) mündet.

 

Ursachen

Akuter Unterbauchschmerz:
Der akute Schmerz geht häufig mit weiteren akuten Symptomen wie Erbrechen, Schweißausbruch und Fieber einher. Die Ursachen für akuten Schmerz können vielfältig sein, lassen sich aber grob in drei Gruppen unterteilen: akut nicht zyklischer, akut zyklischer und chronischer Schmerz.

Der akute, nicht zyklische Schmerz:
Dieser kann im Rahmen von Schwangerschaften auftreten. Ursachen können eine Eileiterschwangerschaft, ein drohender Abort, aber auch ein Myom sein. Weiters können Infektionen (z.B. akute Eierstockentzündung) und Probleme mit Eierstockzysten (Platzen oder Einbluten von Zysten) zu akuten Schmerzen führen. Das Drehen des Eierstockes um sich selbst führt zu einer Unterbrechung der Blutversorgung und ebenfalls zu akuten Schmerzen.

Der akute zyklische Schmerz:
Dieser tritt immer im zeitlichen Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auf. Fällt der Schmerz mit der Regelblutung zusammen, so spricht man von Dysmenorrhoe. Dysmenorrhoe ist sehr häufig zu beobachten, ungefähr die Hälfte aller Frauen im gebärfähigen Alter sind davon betroffen. Beginnen diese Probleme schon sehr früh im Leben (ein bis zwei Jahre nach dem Beginn der Monatsblutung), werden diese primäre Dysmenorrhoe genannt und werden durch sogenannte Schmerzmediatoren verursacht, welche während der Monatsblutung in der Gebärmutter selbst gebildet werden und zu einer Verkrampfung der Gebärmutter führen. Von sekundärer Dysmenorrhoe sprechen wir, wenn diese im Erwachsenenalter auftritt. Die häufigsten Ursachen für sekundäre Dysmenorrhoe sind Endometriose, Adenomyosis und die Spirale. Tritt der akute zyklische Schmerz in Zyklusmitte auf, so wird er Mittelschmerz genannt und ist durch das Platzen des Eibläschens zum Zeitpunkt des Eisprunges verursacht.

Akute Unterbauchschmerzen nicht gynäkologischen Ursprunges

Probleme mit dem Verdauungstrakt:
Probleme mit dem Verdauungstrakt, wie zum Beispiel Blinddarmentzündung, aber auch andere Entzündungen (z.B. Divertikulitis) und Funktionsstörungen des Darmes (Darmverschluss) können Unterbauchschmerzen verursachen.

Probleme im Bereich der harnableitenden Wege:
Blasen- oder Nierenbeckenentzündungen, aber auch Nierensteine können zu akuten Unterbauchschmerzen führen.

Chronischer Unterbauchschmerz:
Der chronische Unterbauchschmerz ist ein sehr ernstes Problem, das üblicherweise nur mit viel Geduld und unter Zusammenarbeit von Spezialisten mehrerer Fachrichtungen zu lösen ist. Dem chronischen Unterbauchschmerz können sehr unterschiedliche Ursachen zu Grunde liegen. Zu den häufigsten zählen die Endometriose, innere Verwachsungen, Infektionen, Verwachsungen von Eierstöcken nach Gebärmutterentfernung, Polypen des Endometriums, Myome, Krampfadern im Bereich der Beckenvenen (Pelvic Congestion) aber auch Darmprobleme wie Darmreizungen, Darmentzündungen, Divertikel und Darminfektionen. Chronische Unterbauchschmerzen können aber auch durch Probleme im Bereich der harnableitenden Wege wie zum Beispiel Beckennieren oder chronische Entzündungen verursacht sein. Schließlich können sich hinter chronischen Unterbauchschmerzen auch Veränderungen an der Wirbelsäule, wie zum Beispiel Abnützungserscheinungen verbergen. Chronische Unterbauchschmerzen können zur Ausbildung von CPP führen.

 

Diagnose & Therapie

Nicht nur die Ursachen für Unterbauchschmerzen sind vielfältig, sondern auch die zur Behandlung notwendigen diagnostischen Maßnahmen und Methoden.

Bei akutem Unterbauchschmerz ist die rasche Behandlung besonders wichtig, da damit größerer Schaden oder sogar lebensbedrohliche Gefahren abgewendet werden können. Im Vordergrund steht eine gründliche klinische Untersuchung der Patientin, die Erhebung einer genauen Krankengeschichte, eine genaue Ultraschalluntersuchung und Blutuntersuchungen. War es möglich, eine Diagnose zu stellen, so kann entweder zugewartet und vorerst konservativ (z.B. medikamentös) behandelt werden, oder es wird eine operative Maßnahme indiziert. Die laparoskopische Operation ist dann fast immer die Methode der Wahl. Eine breite Palette von operativen und diagnostischen Maßnahmen können laparoskopisch durchgeführt werden. So können Eileiterschwangerschaften versorgt, aber auch infektiöses Gewebe bei geplatzten Abszessen im Bereich der Eierstöcke und Eileiter entfernt werden. Weiters kann die Blutversorgung bei sogenannten Stieldrehungen des Eierstockes wiederhergestellt werden. War es mit konservativen Untersuchungen nicht möglich, eine Diagnose zu stellen, kann mit Hilfe einer Laparoskopie das Krankheitsbild weiter abgeklärt werden. Bei akut zyklischen Schmerzen kann die laparoskopische Operation zum Beispiel zur Sicherung der Diagnose einer Endometriose eingesetzt werden.

Die erfolgreiche Behandlung des chronischen Unterbauchschmerzes ist häufig langwierig. Ein Drittel bis die Hälfte dieser Patientinnen haben zum Zeitpunkt ihrer Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum bereits mehrere operative Eingriffe ohne Erfolg hinter sich. Besteht bei Patientinnen der Verdacht auf CPP, da der Schmerz diffus ist und zu einer starken Beeinflussung des gesamten sozialen und beruflichen Lebens der Patientin geführt hat, erfolgt die Behandlung am besten an einem spezialisierten Schmerzzentrum. Nur die Behandlung der Patientin durch ein erfahrenes Team aus Schmerztherapeuten, Psychologen, Internisten und einem in dieser Problematik erfahrenen Gynäkologen garantiert den besten Erfolg, da in vielen Fällen eine weitere Operation nicht Ziel führend sein wird.

Bei schweren chronischen zyklischen Unterbauchschmerzen, welche auf einen Therapieversuch mit Schmerzmitteln beziehungsweise mit Hormonen (Pille) über zumindest sechs Monate keine Besserung der Symptome zeigen, ist eine diagnostische Laparoskopie dringend angezeigt.

Bei schweren chronischen nicht zyklischen Unterbauchschmerzen ist ebenfalls die Laparoskopie häufig die Methode der Wahl, wenn die Patientin nicht schon mehrfach operiert worden ist. Im Rahmen der Laparoskopie können dann diagnostische, aber auch operative Maßnahmen getroffen werden. Zu den diagnostischen Maßnahmen zählt die Gewinnung von Gewebeproben und Abstrichen zur genauen Abklärung einer eventuell vorliegenden chronischen Infektion. Operative Maßnahmen, von denen eine Besserung der Schmerzsymptomatik erwartet werden darf, sind zum Beispiel das Lösen von Adhäsionen, vor allem, wenn diese sehr ausgeprägt sind und den Darm mit betreffen, die Zerstörung beziehungsweise Entfernung von Endometrioseherden, sowie die Unterbrechung der Nervenversorgung der Gebärmutter. In ausgewählten Fällen kann auch eine laparoskopische Entfernung der Gebärmutter von Vorteil sein. Unter bestimmten Umständen kann es sinnvoll sein, in der gleichen Narkose eine Hysteroskopie beziehungsweise eine Darmspiegelung durchzuführen.