Kein
Blindflug' bei unregelmäßiger Monatsblutung
Gynäkologenduo warnt vor veralteter
Curettage |
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"Die
Regelmäßigkeit der Regelblutung - individuell unterschiedlich
aber durchschnittlich alle 28 Tage - signalisiert Frauen, dass sie sich
nicht sorgen müssen, dass also alles in Ordnung' ist",
sagen Prof. Paul Speiser und Prof. Fritz Nagele, Gynäkologen am AKH.
"Aber für einige ist die Monatsblutung eine Tortur: mit Schmerzen
einhergehend, unregelmäßig, stark verlängert. Blutungsstörungen
sind der häufigste Grund für den Gang zum Frauenarzt: Jede dritte
Frau geht deswegen zum Gynäkologen - nach dem Klimakterium sind Blutungsstörungen
sogar der Grund für 70 % aller Besuche beim Gynäkologen."
Die Innenauskleidung
der Gebärmutter ist ein sehr aktives Gewebe - es können sich
relativ schnell Polypen oder Myome entwickeln. Polypen sind gestielte
Geschwülste in der Gebärmutterhöhle, Myome sind häufige,
gutartige Tumore der Gebärmutterwand. Wegen der großen Belastung
für die Betroffene - Schmerzen und Blutverlust bis hin zu Arbeitsunfähigkeit,
Eisenmangel, anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit - aber auch
weil sich bösartige Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut
entwickeln können, ist die genaue Untersuchung und schnelle Behandlung
von Blutungsstörungen wichtig.
Untersuchung:
Schnell, einfach, aufschlussreich
Nagele weiter: "Die Untersuchung ist schnell und einfach: eine diagnostische
Gebärmutterspiegelung (die so genannte Hysteroskopie); meist ohne
Narkose wird ein optischer Lichtstab eingeschoben: Mit Hilfe seiner lichtstarken
Optik kann der Gynäkologe das Innere der Gebärmutter entweder
direkt oder über einen Bildschirm vergrößert betrachten.
Die Patientin kann während der Untersuchung am Bildschirm 'mitschauen'.
Gegebenenfalls können kleinste verdächtige Gewebeproben zur
Untersuchung unter dem Mikroskop entnommen werden. Dazu kommt eine Ultraschalluntersuchung
durch die Scheide."
Medizinisch überholt
aber leider immer noch häufig ist die Curettage zur vermeintlichen
Beseitigung von Blutungsunregelmäßigkeiten. Dazu Speiser: "Diese
blinde Ausschabung der Gebärmutterhöhle mit einem scharfen,
löffelartigen Instrument hat nur Nachteile. Man mutet den Frauen
eine überflüssige Vollnarkose zu, dem Gesundheitswesen einen
stationären Krankenhausaufenthalt und medizinischen Nutzen gibt es
auch keinen. Myome oder Polypen und fallweise auch bösartige Veränderungen
werden nicht erkannt. Bei vielen Patientinnen kommt es dadurch entweder
unnötigerweise oder zu spät zu einer Gebärmutterentfernung."
Bauchschnitt
ist heutzutage eine Ausnahme
Bei etwa 50 % aller Patientinnen mit Blutungsstörungen findet man
krankhafte Veränderungen in der Gebärmutterhöhle. Myome
und Polypen der Gebärmutterschleimhaut werden ohne Bauchschnitt durch
die Scheide entfernt. Nur bei bösartigen Veränderungen ist eine
komplette Entfernung der Gebärmutter inklusive beider Eileiter und
Eierstöcke unbedingt erforderlich; doch auch dafür ist kein
Bauchschnitt notwendig, wenn das Krankheitsgeschehen früh erkannt
wird und das Spital technisch gut ausgestattet ist.
Wenn bei der Untersuchung
keine Veränderungen gefunden werden, haben die Blutungsstörungen
hormonelle Gründe und können meist medikamentös behandelt
werden. Nur in seltenen Fällen ist eine Entfernung der Gebärmutterschleimhaut
in Narkose nötig. "Durch die genaue Abklärung unter Sicht
und die Einleitung entsprechender Therapiemaßnahmen können
90 % der betroffenen Patientinnen von ihren Blutungsstörungen geheilt
werden, ohne eine Gebärmutterentfernung und damit eine größere
Operation durchführen zu müssen", schließen Nagele
und Speiser.
Rückfragemöglichkeit für Journalisten:
Univ.Prof. Dr. Fritz Nagele, nagele@endofem.at, 0664/531 84 85
Univ.Prof. Dr. Paul Speiser, speiser@endofem.at, 0676/432 56 66
Foto
per e-mail oder ISDN:
Agentur Dr. Krejsa,
Mag. Angelika Höllriegl
angelika.hoellriegl@krejsa.at
01/505 68 230, Foto: K. Stögmüller
Bildtext: Prof. Fritz
Nagele (li.), Prof. Paul Speiser (re.): "Die Curettage, ein 'Blindflug'
in der Gebärmutter, hat nur Nachteile."
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