Fallbeispiel



Großes Myom an der Hinterwand der Gebärmutter (I.).


Veröden der oberflächlichen Gefäße an der Myom-Basis (II.).


Myom von der Gebärmutter abgetragen (III.).


Zustand nach Entfernung mehrerer Myome.


Zahlreiche Myome an der Oberfläche der Gebärmutter.


Myom in der Gebärmutterhöhle.


Myom in der Gebärmutterhöhle /Vorderwand.

Entfernung eines Myoms in der Gebärmutterhöhle mittels Elektroschlinge.

Bergen des entfernten Myoms durch Herausstanzen von Gewebszylindern.

Offene Operation (Bauchschnitt) - kindskopfgroßes Myom an der Gebärmutter-Hinterwand.

Offene Operation (Bauchschnitt) bei sehr großem Myom (I.).

Offene Operation (Bauchschnitt) bei sehr großem Myom (II.).

Großes, bereits abgesetztes Myom hinter der Gebärmutter(I.).

Großes, abgesetztes Myom hinter der Gebärmutter (II.).

Zerkleinern und Bergen eines Myoms mit dem elektrischen Stanzbohrer (III.).

Ausgeschältes Myom mit 5mm-Myombohrer präsentiert (IV.).
Definition

Myome sind grundsätzlich gutartige Tumore, die sich aus einzelnen glatten Muskelzellen der Gebärmutter entwickeln; sie sind meist kugelig rund, derb und von der umgebenden Muskulatur der Gebärmutter gut abgrenzbar. Die genaue Ursache der Entstehung von Myomen ist bis heute weitgehend unbekannt. Das Wachstum der Myome wird in erster Linie hormonell gesteuert, und dies erklärt auch, warum diese Tumore während der Schwangerschaft - die Hormonkonzentration steigt hier auf ein Vielfaches der Normalwerte an - oft dramatisch an Grö´ße zunehmen. In Abhängigkeit von der Lokalisation der Myome unterscheidet man außen aufsitzende Knoten (sog. subseröse Myome), in der eigentlichen Wand der Gebärmutter gelegene Myomtypen (sog. intramurale Myome) und solche, die in die Gebärmutterhöhle hineinragen (sog. submuköse Myome).

 

Häufigkeit

Myome sind mit Abstand die häufigsten gutartigen Gebärmuttergeschwülste. Mindestens 20% aller Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter haben Myome, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt: fast die Hälfte aller Frauen jenseits des 40.Lebensjahres haben Myome. In äußerst seltenen Fällen (<0.5%) können Myome auch bösartig entarten.

 

Symptome

In Abhängigkeit von ihrer Zahl, Größe und Lage verursachen Myome in bis zu 50% der Fälle unterschiedlich klinische Symptome. Zu den häufigsten zählen Schmerzen im kleinen Becken, Blutungsstörungen und Störungen bei der Fortpflanzung. Beschwerden im Unterbauch- und Genitalbereich, sowie im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins sind fast immer durch besonders große Myome (10cm und darüber) bedingt und können auch mit Problemen des harnableitenden Systems (Schmerzen beim Harnlassen, häufiger Harndrang, wiederholte Entzündungen und unvollständige Entleerung der Harnblase, Harnrückstau durch Druck auf die Harnleiter von außen) kombiniert auftreten. Blutungsstörungen, zumeist in Form von sehr starken und verlängerten Regelblutungen, sind ein typisches Symptom für Myome, die in die Gebärmutterhöhle vorwachsen; vor allem dieser Myomtyp kann auch die Einnistung des befruchteten Eis und später das Wachstum des Embryos so massiv stören, dass es zur Fehlgeburt kommt. Intramurale Myome stören die normalen Kontraktionen der Gebärmutter zu bestimmten Zeiten des Monatszyklus und können auf diese Weise ebenso für einen unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich sein.

 

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich meist schon aus der Krankengeschichte und den Beschwerden. Größere Myome werden bei der gynäkologischen Untersuchung getastet, und der routinemäßig durchgeführte Ultraschall bestätigt die Vermutung. Bei Blutungsstörungen und Verdacht auf Sitz des Myoms in der Gebärmutterhöhle sollte eine diagnostische Hysteroskopie durchgeführt werden, einerseits um andere krankhafte Veränderungen in der Gebärmutter auszuschließen, und andererseits, um die exakte Lokalisation und Ausdehnung des Myomknotens innerhalb der Gebärmutterhöhle zu bestimmen.

 

Therapie

In vielen Fällen verursachen Myome keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt. In Abhängigkeit von der Größe des Myoms und dem Alter der Patientin ist oft gar keine Therapie, sondern lediglich eine regelmäßige Ultraschallkontrolle erforderlich. Die medikamentöse Therapie mit sehr potenten Hormonen sollte nur in bestimmten Fällen als Vorbehandlung vor einer geplanten Operation eingesetzt werden und sollte vor allem bei jüngeren Frauen mit großen Myomen nicht als eigenständige Therapie betrachtet werden. Die Hormontherapie - meist in Form einer monatlichen Spritze - wird üblicherweise nur über einen Zeitraum von 6 Monaten durchgeführt und ist häufig mit relativ starken Nebenwirkungen vergesellschaftet. Die Myome schrumpfen zwar im Verlauf der Behandlung, allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass es nach Absetzen der Therapie meistens zu einem verstärkten, überschießenden Wachstum des Myoms kommt! Es gibt kein Medikament, mit dem man Myome zum Verschwinden bringen kann!

Die Therapie symptomatischer Myome hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Grund dafür sind nicht nur die neuen Operationsmethoden (Laparoskopie und Hysteroskopie), sondern der von den aufgeklärten Frauen völlig zu Recht erhobene Anspruch auf Erhalt ihrer Gebärmutter. Grundsätzlich werden alle Eingriffe in Vollnarkose durchgeführt. Myome der Gebärmutterhöhle können mittels Gebärmutterspiegelung
(operative Hysteroskopie) ohne Operationswunden durch die Scheide entfernt werden, alle anderen Typen werden im Rahmen der Bauchspiegelung (operative Laparoskopie) aus der Gebärmutter ausgeschält, wobei hier die Größe des Myoms einen limitierenden Faktor darstellt. Ab einer Myomgröße über 10cm muss in der Regel ein querer Schnitt im Unterbauch durchgeführt werden. In sehr seltenen Fällen, wenn zB die eigentliche Gebärmuttermuskulatur durch zahlreiche große Myome ersetzt ist und massive Beschwerden bestehen, wird der verantwortungsbewusste Arzt, um der Patientin mehrere belastende und letztlich erfolglose Operationen zu ersparen, eine Entfernung der Gebärmutter vorschlagen. Diese Situation sollte heute allerdings eine absolute Ausnahme darstellen, da es in den meisten Fällen sogar ohne Bauchschnitt möglich ist, Myome zu entfernen, die Beschwerden oder Symptome damit ursächlich zu eliminieren und die Gebärmutter trotzdem zu erhalten: dies ist das eigentliche Ziel dieser Operationstechnik, und man spricht daher von konservativer oder organerhaltender Myomoperation.

Eine weitere organerhaltende Behandlungsmethode, die gegenwärtig heftig in der Öffentlichkeit diskutiert wird, ist die sogenannte Myomembolisation. Dabei wird eine großkalibrige Nadel in die Hauptarterie des Beines (Femoralarterie) eingeführt. Durch diese Nadel wird ein dünner Schlauch in das Blutgefäßsystem eingebracht und bis in jene Arterie, welche die Gebärmutter mit Blut versorgt (Arteria uterina) vorgeschoben. Über das Schlauchsystem wird dann eine spezielle Lösung mit feinen Partikeln eingespritzt, die zum Verschluss dieser Arterie führt. Auf diese Weise wird die Durchblutung der Gebärmutter deutlich reduziert, und dies führt in vielen Fällen auch tatsächlich zu einer Verkleinerung des Myoms. Diese Methode hat noch experimentellen Charakter, denn es fehlen die entsprechenden klinischen Studien und vor allem Langzeitergebnisse, um die Myomembolisation als etablierte Methode anzubieten. Zahlreiche wichtige Fragen sind noch nicht beantwortet, so zB ob die herabgesetzte Durchblutung der Gebärmutter nachteilige Folgen für eine spätere Schwangerschaft hat. Ein weiteres Problem dieser Methode dürfte sein, dass es bei Frauen über 40 Jahren in manchen Fällen zu einem frühzeitig einsetzenden Wechsel kommen kann. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass diese Methode noch relativ jung und nicht sehr gut erforscht ist und daher vorerst nur im Rahmen klinischer Studien angewendet werden sollte.