Fast alle Frauen
im gebärfähigen Alter erleben irgendwann Episoden, in denen es zu Störungen
des monatlichen Blutungszyklusses kommt. Das fallweise Auftreten von Blutungsstörungen
kann, nach Ausschluss organischer Ursachen, als vorübergehende hormonelle
Störung ohne therapiebedürftigen Krankheitswert gewertet werden. Wiederholt
auftretende oder anhaltende Blutungsstörungen müssen allerdings exakt
abgeklärt und einer Therapie zugeführt werden. Ein normaler Menstruationszyklus
ist definiert als ein Intervall von rund 28 Tagen zwischen dem jeweils
ersten Blutungstag, mit einer Blutungsdauer von etwa 4-5 Tagen und einem
Blutverlust von insgesamt 50 ml. Blutungsstörungen äußern sich als
Abweichung von dieser Norm hinsichtlich Blutungsvolumen (verringert
= Hypomenorrhoe, verstärkt = Hypermenorrhoe), Zahl der Blutungsperioden
(seltener = Oligomenorrhoe, häufiger = Polymenorrhoe), Zunahme
oder Abnahme der Blutungsdauer (Menorrhagie- oder Hypomenorrhoe),
als unregelmäßige Blutung zwischen den normalen Monatsblutungen
(Metrorrhagie) oder als schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhoe).
Die Ursachen sind entweder organischer Natur, dh. es finden sich nachweisbare, krankhafte Veränderungen an der Gebärmutter, oder aber man spricht nach Ausschluss derselben von dysfunktionellen Blutungsstörungen. Myome (vor allem jene, die in die Gebärmutterhöhle vorwachsen) und Polypen (gestielte Geschwülste in der Gebärmutterhöhle) sind die häufigsten, gutartigen Tumore, die zu Blutungsstörungen führen. Vor allem bei älteren Frauen sind Blutungsstörungen oft der einzige Hinweis auf bösartige Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom), weshalb in diesen Fällen eine sofortige Abklärung durch den Frauenarzt erforderlich ist.
Blutungsstörungen sind die häufigste Ursache für gynäkologische Konsultationen: 1/3 und nach dem Klimakterium bis zu 70% aller Frauen kommen wegen Blutungsstörungen zum Gynäkologen. Der Häufigkeitsgipfel für symptomatische Myome liegt zwischen dem 35. und 50.Lebensjahr, und gutartige Polypen der Gebärmutterschleimhaut sind ein häufiger Grund für Blutungen nach dem Wechsel.
Blutungsstörungen sollten heute immer durch eine diagnostische Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) abgeklärt werden. Es handelt sich dabei um eine einfache und rasche Untersuchung, die im Idealfall ambulant (ohne Narkose) durchgeführt werden kann. Neben der gynäkologischen Routineuntersuchung ist der erste diagnostische Schritt in jedem Fall die Ultraschalluntersuchung, die in diesen Fällen durch die Scheide durchgeführt wird. Die Hysteroskopie bietet nicht nur die Möglichkeit der direkten Einsicht in die Gebärmutterhöhle, sondern ermöglicht auch die gezielte Entnahme von Gewebsproben: kleinste verdächtige Veränderungen können auf diese Weise mit höchster diagnostischer Präzision abgeklärt und so uU. bösartige Tumore im Frühstadium erkannt werden. Merke!
Bei etwa 50% aller Patientinnen mit Blutungsstörungen findet man krankhafte Veränderungen in der Gebärmutterhöhle. Jene Myome, die in ihrer Ausdehnung großteils in der Gebärmutterhöhle liegen und Polypen der Gebärmutterschleimhaut (sog.Endometriumpolypen) können heute mit der operativen Hysteroskopie ohne Bauchschnitt durch die Scheide entfernt werden. Bei Vorliegen bösartiger Veränderungen ist eine komplette Entfernung der Gebärmutter inklusive beider Eileiter und Eierstöcke unbedingt erforderlich; bei rechtzeitig erkannten, frühen Stadien kann auch diese Operation als operative Laparoskopie ohne Bauchschnitt durchgeführt werden. Finden sich hingegen keine krankhaften Veränderungen, so handelt es sich - wie bereits erwähnt - um dysfunktionelle Blutungsstörungen. Diese Form wird in erster Linie mit Hormonen behandelt. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Präparate, die heute am Markt zur Verfügung stehen, ist eine gezielte, maßgeschneiderte Therapie für jede einzelne Patientin möglich. Führt auch diese Therapie zu keiner Besserung der Beschwerden, so kann die Gebärmutterschleimhaut entfernt werden (Endometrium-Ablation). Dieser Eingriff wird in Narkose durchgeführt und könnte letztlich 90% der betroffenen Patientinnen eine Gebärmutterentfernung und damit eine größere Operation ersparen.
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